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Neuigkeiten rund um meine Romane und Antworten auf Fragen, die mir häufig gestellt werden.

FAQ

Wie recherchiere ich für historische Romane?
Die Antwort hier als Download.

Einige Fragen aus der Leserunde bei Lovelybooks zu Die Bogenschützin (2013) :


"Mich würde interessieren, ob du selbst das Bogenschießen beherrscht."

Ja, ich bin tatsächlich seit bald zehn Jahren begeisterte Bogenschützin. Bogenschießen gelernt habe ich mit einem modernen Visierbogen, bin nach einer Weile aber umgestiegen auf den traditionellen Holzlangbogen, so wie z.B. Hedwig ihn in der Geschichte schießt.
Grundsätzlich ist das Bogenschießen als Sport für beinah jeden geeignet. Wer noch nicht so viel Kraft hat, fängt mit einem entsprechend schwächeren Bogen an. Konzentration und Ruhe sind nötig, das ist wahr. Aber gerade die Mischung aus Ruhe, die beim Schuss einkehrt, und der Geselligkeit und Bewegung an der frischen Luft (Wir schießen oft auf speziellen Parcours im Freien) macht das Traditionelle Bogenschießen für mich zu einer entspannenden Sache.
"Wie bist du auf die Idee gekommen, genau das zum Thema deines Romans zu machen und dich damit ja doch ein wenig vom "Typischen" für das Genre (du weißt schon, Hebammen, Heilerinnen, Hexen, Nonnen, Händlerinnen, Mägde und Fürstentöchter) zu entfernen?"
Schreibe ich über eine Frau der vergangenen Jahrhunderte und wünsche mir eine spannende, ereignisreiche Geschichte, stoße ich zwangsläufig auf ein Problem: Ich muss der Frau mehr Handlungsspielraum verschaffen, als Frauen zu ihrer Zeit üblicherweise hatten. Hedwig wird als Kind aus ihrem gewohnten Rahmen, ihrem Leben als kleines Edelfräulein, gerissen und erhält durch das abgeschiedene Leben im Wald eine ganz neue Prägung. Da Leben im Wald und Bogenschießen nicht erst seit Robin Hood gut zusammenpassen, lag es also nahe, ihr den Umgang mit dem Bogen beizubringen. Zumal der Bogen eine für eine Frau ausgezeichnet beherrschbare Waffe war, und ihr im späteren Verlauf der Geschichte die Chance gibt, sich auch gegen die gewaltbereite Männerwelt zu behaupten. Abgesehen davon hat es mir natürlich einfach Spaß gemacht, das Thema einzubringen.

Wie fühlt man sich als "moderne" Frau in eine Frau aus einem vergangenen Jahrhundert ein?

Vor jedem Versuch, mich in die Figuren meiner Geschichten einzufühlen, denke ich ausgiebig über deren Lebensumstände nach. Das wäre bei der Heldin eines Gegenwartsromans nicht anders als bei der eines Historischen Romans. Um mir ein Bild von historischen Lebensumständen zu machen, darf ich aber natürlich viel weniger als selbstverständlich voraussetzen. Daher sammle ich ständig Informationen über alles, was das Lebensgefühl und die Geisteshaltung damals ausgemacht und von den heutigen Zuständen unterschieden hat. Dazu gehört auch, gelegentlich selbst auszuprobieren, wie sich z.B. eine bestimmte Arbeit oder das Tragen eines Gewandes anfühlen.
Das recherchierte Wissen versuche ich im Kopf zu behalten, wenn ich meine Romanfiguren denken, fühlen und handeln lasse.
Das heißt aber nicht, dass ich alles umsetze, was ich herausfinde, weil mir manches meine Hauptfiguren zu fremd machen würde. Wer von Euch sich schon viel mit dem Leben in vergangenen Zeiten beschäftigt hat, weiß z.B. sicher, zu was für einem Volksfest Hinrichtungen und ähnliche Grausamkeiten werden konnten. Daraus kann man schließen, dass sich der größte Teil der Menschen für so eine grausige Show begeisterte, was mit einiger Wahrscheinlichkeit dann auch für meine Protagonisten gegolten hätte. Da (wohl nicht nur) ich aber einen solchen Charakterzug als abstoßend empfinde, weil sich unsere Vorstellungen von Gut und Böse denn doch etwas verändert haben, weiche ich ab und gönne meiner Heldin/meinem Helden sympathischere Züge. Für solche Abweichungen gibt es etliche Beispiele. Mögliche Erklärungen für dieses „Anderssein“ der Figur, tragen dann gleich dazu bei, dass sie nicht „typisch im Verhalten ihrer Zeit“, sondern etwas Besonderes ist.
Abgesehen davon ist mir aber auch bewusst, dass mir das Einfühlen in die Menschen der lange zurückliegenden Vergangenheit nie völlig authentisch gelingen kann. Dazu gibt es zu viele Einflüsse, die mir nicht bekannt oder die nicht mehr nachvollziehbar sind.

"Schreiben Sie nach einem geregelten Arbeitstag oder eher dann, wenn die "Muse" Sie streift und Sie quasi gerade eine Eingebung haben?"

Ich schreibe nach einem völlig geregelten Arbeitstag. An Schultagen setze ich mich gegen 7.15 Uhr an den Schreibtisch (an anderen auch mal eine Stunde später) und arbeite bis mittags. Dann mache ich Pause, erledige Haushaltskram, kläre Kinderangelegenheiten, wenn welche zu klären sind. Je nachdem, was sonst anliegt, folgt nachmittags die zweite Schicht. Drängt die Zeit, geht es auch abends und nachts weiter, aber längst nicht mehr so häufig wie in den Jahren, als meine Kinder noch klein waren und tagsüber mehr Aufmerksamkeit brauchten. Was die Musen angeht, finden sie mich bei der Arbeit am leichtesten.

Wie lange habe ich für diesen Roman gebraucht?

Etwas länger als ein Jahr von der ersten Idee bis zum letzten getippten Wort. Sollte ich es unbedingt schätzen, würde ich sagen, dass zwei Monate davon Recherche sind. Allerdings muss man dazu sehen, dass ich inzwischen nicht mehr alles von Grund auf recherchiere, weil ich mich nun schon seit Jahren mit historischen Themen und Alltagsbedingungen beschäftige.
Es ist allgemein etwas schwierig, auseinander zu rechnen, wie viel Zeit bei einem bestimmten Roman jeweils auf die Materialsammlung und das Schreiben entfallen. Denn ich recherchiere auch während der Schreibphase immer wieder nach. Oft muss ich Dinge dann doch noch etwas genauer herausfinden, als ich vorher glaubte. Umgekehrt merke ich auch manchmal erst beim Schreiben, dass ich einen Bereich, von dem ich dachte, ich müsste genau darüber Bescheid wissen, für die Geschichte nicht brauche. Bei der "Bogenschützin" habe ich mich z.B. sehr viel länger mit der Biographie von König Sigismund beschäftigt, als vielleicht nötig gewesen wäre.
Ein anderer Faktor ist, dass ich vom Projektstart bis zur Manuskriptabgabe zwar ungefähr 14 Monate brauche, aber in dieser Zeit auch immer Arbeiten einschieben muss, die andere Romane betreffen, wie z.B. das Lektorat des Vorgängerromans.

Woher stammt der Begriff "Erzbuschklepper"?
 
Bei der Recherche halte ich ständig Ausschau nach interessanten oder witzigen alten Wörtern, die ich verwenden könnte. Einen Buschklepper nannte man einen Strauchdieb, einen berittenen Wegelagerer, der sich samt Pferd im Gestrüpp verbarg. Beim "Erzbuschklepper" hat der alte von Quitzow das Wort mit dem "Erz" vom "Erzbischof" zusammengezogen.
Im 4. Abschnitt wird kurz erwähnt, dass Hedwig sich - wie es damals Mode war - die Stirn rasierte. Wie kann ich mir das vorstellen? Sind damit die kürzeren Haare am Haaransatz gemeint?
Als schön galt ein besonders hoher Haaransatz. Dem konnte natürlich beliebig nachgeholfen werden. Damit Ihr es Euch leichter vorstellen könnte, habe ich ein paar Porträts auf meinem Blog gepostet: http://martha-s-marcus.blogspot.de/p/extras.html

Folgende Fragen stammen von Mitgliedern des Büchereulen-Forums (2010):


Sowohl Herrin wider Willen als auch Salz und Asche spielen um die Zeit des 30 jährigen Krieges. Warum gerade die Mitte des 17. Jahrhunderts, mal abgesehen vom spannenden Hintergrund des Kriegs selber? 


Als ich anfing, für den Roman zu recherchieren, der später die "Herrin wider Willen" werden sollte, wollte ich eine abenteuerliche Geschichte schreiben, die mitten im blutigen Geschehen des Dreißigjährigen Kriegs spielte. Das änderte sich im Laufe der Recherche, als ich feststellte, dass mir das ausweglose Elend der auf verschiedene Weise zu Tode gequälten Bevölkerung und der entwurzelten Soldaten mit ihrem Tross, die verheerten Landstriche, Hunger und Mord in Reinkultur zu hoffnungslos waren. Da kam es mir entgegen, dass die Gegend, in der meine Geschichte spielen sollte, weniger schwer betroffen war als viele andere. Ich habe mich also ein wenig "an den Rand des Geschehens zurückgezogen" und versucht, dennoch die Auswirkungen des Krieges im Roman spürbar zu machen.

Nach der "Herrin wider Willen" blieb ich weiterhin fasziniert von der gewaltigen Kraft, mit der dieser lange Krieg die Gesellschaft und das ganze Land verändert hat. Und ich stellte mir die Frage, wie es all den traumatisierten und entwurzelten Menschen ergangen sein muss, nachdem der Krieg offiziell beendet war. Meine Gedanken dazu haben "Salz und Asche" geprägt.

Festgelegt habe ich mich auf das 17. Jahrhundert allerdings nicht. Mein jüngstes Manuskript, das gerade zur Prüfung im Lektorat liegt, spielt im 15. Jahrhundert - echtes Mittelalter also.
Und das gerade erschienene "Der Rabe und die Göttin", ist eine Geschichte des 9. Jh. - Wikingerzeit.

Kaum ein Buch erschienen, schon ist das nächste in der Pipeline. Alle Achtung!
So schnell zwei Bücher nacheinander zu schreiben, muss doch sehr viel Zeit und Arbeit kosten. Wie schaffst Du das?


So schnell wie es den Veröffentlichungen nach den Anschein haben muss, bin ich eigentlich gar nicht. Das wird vielleicht verständlicher, wenn ich erzähle, in welcher Reihenfolge meine Romane entstanden sind.

2003/2004 habe ich nach langer Recherche über die Wikingerzeit die erste Fassung von „Der Rabe und die Göttin“ geschrieben, das Manuskript aber beiseite gelegt, weil ich noch nicht an eine Veröffentlichung geglaubt habe. Erst 2010 habe ich den Roman nach etlichen Überarbeitungen zur Veröffentlichung angeboten. Überraschend schnell hat es „Der Club“ dann schon für diesen Januar ins Programm genommen.

Anschließend (ab 2004) habe ich mich in die Frühe Neuzeit/den Dreißigjährigen Krieg vertieft und 2007 „Herrin wider Willen“ beendet, das 2008 vom Verlag angenommen wurde. (Für das Programm 2009/2010).

Gleich nach „Herrin wider Willen“ habe ich mit „Salz und Asche“ angefangen, weil ich die Idee schon hatte, und die Recherche nicht mehr ganz so aufwändig war. Immerhin bin ich damit im selben Jahrhundert geblieben. Anfang 2009 konnte ich das Manuskript beim Verlag abgeben, erschienen ist das Buch im Oktober 2010.

Seit Anfang 2009 habe ich an mehreren Projekten parallel gewirkt, hauptsächlich aber an meinem jüngsten „Historischen“ (15.Jh.), den ich gerade vor Kurzem beim Verlag abgeben konnte. Auch an diesem Roman habe ich also eigentlich zwei Jahre gearbeitet. Allerdings ist zwischendurch noch ein kleiner Kinderroman entstanden, der im Herbst 2011 bei Baumhaus erscheinen wird.

Viel Arbeit ist es auf jeden Fall. Ich sitze in der Regel von 8 bis 13 Uhr am Schreibtisch (manchmal kommen Termine oder aushäusige Rechercheaktionen dazwischen). Mittags und nachmittags sind „Küche und Kinder“ dran, je nach Bedarf. Abends, wenn Ruhe im Haushalt einkehrt, nichts anliegt und ich meinem Mann auch entbehrlich bin, gehe ich oft wieder an die Arbeit. Wenn es gut läuft, bleibe ich dann bis nach Mitternacht dabei.
Gerade im vergangenen Jahr wurde es mir gelegentlich auch mal zu viel, aber insgesamt ist das Schreiben der schönste Beruf, den ich mir wünschen kann. Wenn ich nicht schreibe, fehlt mir ganz entscheidend etwas.

Darfst Du über Dein neues historisches Projekt aus dem 15. Jahrhundert schon etwas sagen? Welche Thematik und spielt es wieder in Deutschland?

Der Titel meines „Jüngsten“ ist noch nicht abgesegnet, deshalb erwähne ich ihn lieber nicht.  Die Geschichte spielt wieder in Deutschland, und zwar nimmt sie in Brandenburg ihren Anfang, wo um 1400 das Raubritterwesen stark verbreitet war. Das ging so lange, bis ein starker Markgraf eingesetzt wurde, der damit einigermaßen aufräumte: der spätere Kurfürst Friedrich, Stammvater des (viel später entstehenden) preußischen Königshauses. Unter anderem unterwarf er die legendären, als Raubritter verrufenen von Quitzows. Während der Eroberung einer derer Burgen geht dem Ritter von Quitzow bei der Flucht eine kleine Tochter verloren. Um diese Tochter geht es. Mehr über die Handlung verrate ich vorerst nicht, aber noch etwas über die Heldin: Sie ist eine ausgezeichnete Bogenschützin, sehr eigensinnig, und sie hat einen langen Weg vor sich.

Die Bogenschützin als Heldin hat mir beim Schreiben besonders viel Freude gemacht. Ich bin selbst mit Begeisterung Traditionelle Bogenschützin und liebe alles, was damit zu tun hat.

Wolltest du eigentlich schon immer schreiben? Und welche Alternative hätte es für dich gegeben, wenn das mit dem Schreiben nicht funktioniert hätte? Schließlich ist es ja schon ein ziemlich riskanter Beruf, da man ja zu Beginn nie weiß, wie die Bücher bei Verlagen und Lesern ankommen werden... 

Ich kann nicht behaupten, dass ich schon als Kind Autorin werden wollte. Geschrieben habe ich allerdings immer viel. Kleine Geschichten, später jahrelang mehr oder weniger wirr und ausschweifend Tagebuch, Skizzen, Kurztexte für die Schublade.

Während des Studiums war mein Plan, ins Verlagswesen zu gehen, also eher in den Bereich Lektorat oder Marketing. Nur hat es sich so ergeben, dass sofort nach dem Studium erstmal die Familiengründung dran war. Ich hatte relativ bald zwei kleine Kinder (zum Glück dazu einen voll erwerbstätigen Mann) und der Einstieg in ein Berufsleben war für eine Weile kein Thema mehr. Das Schreiben übrigens auch nicht. Zwei Kleinkinder sind nicht gerade Humus für Kreativität.
Als die Kinder jedoch etwas größer wurden, gerade so groß, dass sie mich nicht mehr dauernd brauchten, aber noch nicht so groß, dass ich besagten Einstieg ins Berufsleben schon ernsthaft erwogen hätte, überkam mich dann doch das dringende Bedürfnis, endlich wieder geistig zu arbeiten.
Wenn Du in Deinem Leben jemals einen Roman schreiben willst, sagte ich mir, dann jetzt. Die Situation konnte nicht günstiger sein.
Aber nicht, dass nun jemand denkt, mein erster Roman wäre veröffentlichungsreif gewesen. Er hat mich nur endgültig mit dem Schreibvirus infiziert. Von da an habe ich mich intensiv mit allen Fragen des Schreibens und Veröffentlichens auseinandergesetzt: einen Schreibkurs gemacht, eine wunderbare Autorengruppe mitgegründet (die Lüneburger „Wortmälzer“, mit denen ich gemeinsam Kurzgeschichten herausgebracht habe), das Verfassen von Exposés für Romanideen gelernt, einen Agenten gefunden …
Und nach all dieser Vorarbeit ging es dann mit dem Veröffentlichen so schnell, dass ich am „Schreiben als Beruf“ zur Zeit nicht zweifle.

Was machst Du, wenn Du nicht an deinem Schreibtisch sitzt und wie alt sind deine Kinder? Wann schreibst Du am liebsten? 

Meine Kinder sind 11 und 13.

Am liebsten schreibe ich nachts, wenn alle schlafen und keine Mails und Anrufe eingehen. Langfristig halte ich das aber nicht mehr so durch wie noch vor zehn Jahren. Damals war ich als Kleinkindermutter offenbar noch besser auf Dauerschlafmangel eingestellt.

Wenn ich nicht am Schreibtisch sitze ... Also, ich nehme an, damit hast Du nicht nach meinem Haushaltsfleiß gefragt? Auch nicht nach meinem Lesekonsum? In der Zeit, die daneben noch bleibt, sehe ich zu, dass ich mich draußen bewege. Am liebsten zu Fuß durchs Feld oder den Wald, und am allerliebsten bogenschießend.
Allerdings sind da auch noch ein paar Freunde, die ich gern sehe, eine nette Autorengruppe, außerdem eine Neigung zum Basteln, Malen und Spielen mit Graphikprogrammen. Und ein unendliches Interesse an vielen Themen und Dingen, die von allen Seiten auf mich zugetragen werden.